Was wir beim live spielen gelernt haben

In diesem Artikel beschreibe ich, was wir in 32 live Sessions beim online actualplay Rollenspiel gelernt haben.

In einem späteren Beitrag werde ich im Detail auf das technische Setup eingehen.

Rahmenbedingungen

Remote. D.h. wir sitzen alle einzeln an unterschiedlichen Orten. Verbunden sind wir über das Internet. Damit keine Störgeräusche auftreten, brauchen alle gutes Internet, am besten verkabelt. Nochmal explizit: Kein WLAN. Ein paar von uns haben leider Bambusleitungen, in Zukunft ist das ein Ausschlusskriterium. Denn das Problem der schlechten Verbindung multipliziert sich auf die Spielerinnen und auf die Zuschauerinnen und auf die Zuhörer*innen.

Webcam. Für unsere DnDienstag Sessions sind Webcams eine Voraussetzung. Ich gehe davon aus, dass es weniger interessant ist, wenn man die Spieler*innen nicht sehen kann.

Licht. Minimaler Einsatz, maximaler Benefit! Spieler*innen sollten kein Fenster im Rücken haben. Dreht eine Schreibtischlampe in euer Gesicht und ihr spielt in einer anderen Liga.

Video-Chat

Wir haben alles ausprobiert und sind letztlich beim Bezahlservice Zoom gelandet, der die - mit Abstand - beste Qualität ermöglicht.

Die Qualität von Discord Video-Chat ist miserabel. Abends ist die Infrastruktur oft überlastet, ein Wechsel auf einen anderen Server konnte zwar manchmal helfen. Aber befriedigend war es nie.

Google Hangouts war für schwache Rechner zu hungrig. Bei manchen Sendungen wird die jeweils aktuell sprechende Person eingeblendet, das finde ich sehr verwirrend und unruhig. Das sollte man nicht tun.

Skype mit NDI ist sehr interessant. Damit lassen sich einzelne Quellen in OBS Studio fest hinterlegen und ihr spart euch das abgefilme vom Bildschirm und die manuelle Anordnung der Videos. Letztlich war aber die Qualität nicht überzeugend. Eine Teilnehmerin aus einem anderen Land hatte massive Störgeräusche.

Mit Zoom ist nun alles gut. Es gibt kaum Aussetzer, die Leute sind erheblich besser zu verstehen als bei allen anderen Diensten. Vielen Dank an BenAndPaper für den Hinweis!

Soundboard

Für Ambient Sounds nutze ich ein natives Soundboard. Hier gibt es diverse Lösungen, ich bin mit der Mac App Farrago sehr zufrieden. Ich habe die freundliche Genehmigung von tabletopaudio.com, das Audio-Footage von dort verwenden zu dürfen. Ich finde das trägt erheblich zur Immersion bei.

Wie es mit dem Einsatz von Ambient Sounds nach Artikel 13 weitergeht, hängt ganz davon ab, wie die Gesetzgebung nun konkret aussehen wird.

Battlegrid

Eine Map bietet den Zuschauer*innen meiner Meinung nach einen visuellen Anker und macht das Verfolgen von Kämpfen einfacher. Ich nutze Affinity Designer, das ist ein Tool wie Photoshop. Darauf zeige ich - mit freundlicher Genehmigung von Mike Schley - die Karten, die er für Wizards of the Coast angefertigt hat. Das ist ausserdem möglich durch Wizard’s Fan Content Policy, die eine Verwendung von Grafiken erlaubt, solange man die Inhalte nicht hinter eine Paywall schiebt. Musik und Videos dürfen nicht verwendet werden.

Eine vielfacher Wunsch war es, auch die Bilder von Monstern einzublenden. Das werden wir in Zukunft tun.

Mehr Immersion

Womit wir bei den Wünschen angekommen wären.

Chat. Zunächst dachte ich, dass es eine prima Idee sei, bei einem Live-Streaming Format auf den Chat einzugehen. Denn warum streamt man das ganze denn live? Wohl, um auch live eine Interaktion mit dem Chat zu ermöglichen, so wie das alle anderen Streamer*innen auch tun. Der Nachteil ist, dass darunter die Immersion leidet. Also verschieben wir den lockeren Chat mit dem Chat auf vor dem Stream, in die Pause, und auf nach dem Stream.

Alerts. Anfangs hatten wir auch noch audiovisuelle Alerts bei Follows, Subs und Hosts. Deren Ton haben wir deaktiviert. Nun ist es besser. Der Dank wurde auf die den eben genannten “Randmomente” verschoben.

Gastwechsel. Zunächst hatten wir jede Folge einen neuen Gast. Ohne große Story drumrum erschien ein neuer Charakter und verschwand auch wieder nach der Sendung. Von diesem Format sind wir abgerückt. Heute bleibt ein Gast für ca. 3-4 Sessions, wird stimmig eingeführt und stimmig aus der Gruppe entlassen. Verzwickte Situationen, die von einem Gast herbeigeführt werden, der oder die dann in der nächsten Sitzung gar nicht mehr dabei ist, sind schwer vermittelbar.

Gruppengröße. Mit 7 Spielerinnen (inkl. Gast) sind wir überbesetzt. Das merken wir, da sich die Gruppe oft aufteilt. Frei werdende Plätze werde ich nicht nachbesetzen. Anvisiert sind 4-5 Spielerinnen (inkl. Gast). Damit verspreche ich mir auch, Einzelnen mehr Raum zur Entfaltung geben zu können.

Beschreibungen. Mehr davon! Vor allem profitieren davon die Zuhörer*innen vom Podcast. Charaktere detailliert beschreiben lassen, Situationen beschreiben. Räume beschreiben. Beschreiben, beschreiben, beschreiben.

Charakter-Änderungen. Ich lasse nach einem Level-Up die Charakter-Änderungen durch meine Spieler*innen erläutern. Das ist super angekommen und machen wir jetzt immer so.

Bis zum nächsten DnDienstag!